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Opioide und Opiate

Spritzbesteck
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Opioide wie Methadon, Morphium, Buprenorphin, Tilidin, Fentanyl oder Heroin sind synthetische Produkte und strukturell wie wirkungstechnisch den pflanzeneigenen Opiaten ähnlich. Opiate wie Morphin oder Codein werden aus dem Milchsaft unreifer Schlafmohnkapseln gewonnen. Die Substanzen wirken enorm euphorisierend, angsthemmend und schmerzlindernd. Nach einer kurzen Phase eines blitzartigen Hochgefühls folgt eine gedämpfte Phase der inneren Ruhe und einer Empfindung tiefen Friedens. Da nach Abklingen der Wirkung der Konsument von diesem Hoch in zuweilen gegensätzliche Empfindungszustände stürzt, ist das Abhängigkeitspotenzial von Opioiden generell hoch. Opioide werden wie Opiate zu 80 % über die Nieren abgebaut, während 20 % mit der Galle den Darm verlässt. 

Heroin und seine Auswirkungen

Das wohl bekannteste Opioid ist Heroin. Genau genommen ist Heroin eine teilsynthetische Mischung aus Opiat und Opioid. Es wird durch eine chemische Reaktion von Essigsäurechlorid oder Essigsäureanhydrid (Acetanhydrid) mit Morphin gewonnen, indem an zwei Stellen des Morphins ein Wasserstoffatom durch eine Gruppe C(2)H(3)O-Moleküle ersetzt wird. Sowohl die zu konsumierende Dosis als auch die tödliche Dosis sind von der jeweiligen Toleranz gegenüber Heroin abhängig. Bei nichttoleranten Menschen liegt die die letale Dosis bereits bei 60 mg. Eine Toleranz entwickelt sich nach wenigen Konsumeinheiten. Wenn dem Körper dann nicht die erforderliche Menge der Substanz eingeführt wird, treten acht bis zehn Stunden nach dem letzten Konsum körperliche Entzugserscheinungen auf. Entzugssymptome sind Unruhe, Gereiztheit,  Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit, Kälteschauer, Flüssigkeitsbildung an den Schleimhäuten, Schwächegefühl, Erbrechen, Durchfall, Angst, Depression, krampfartige Schmerzen sowie manchmal psychotische Anfälle. Auch bei längerem Konsum kann Heroin viele Langzeitfolgen mit sich bringen. Dazu zählen zittrige Gliedmaßen, Abmagerung, Nierenverstopfungen, Menstruationsaussetzung, Verringerung der der Konzentrations- und Gedächtnisfähigkeit, Infektionsanfälligkeit, Muskelfaserauflösungen, Koordinationsprobleme, Lähmungserscheinungen, Inflammation des Herzinnenraumes sowie als mentale Begleiterscheinung zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber sich selbst oder der Umwelt. Für Süchtige ist es sehr schwer, den Konsum von Heroin zu unterlassen. Ohne medikamentöse Ersatzbehandlung mit dem heroinähnlichen, künstlichen Opiat Methadon können gravierende physische Entzugserscheinungen über zehn Tage auftreten. Der Vorteil einer ärztlich kontrollierten Methadonbehandlung ist, dass der Betroffene zunächst ohne Bedürfnis nach Heroin ein geregeltes Leben führen kann. Methadon dämpft die Entzugserscheinungen ohne euphorisch zu wirken. Außerdem ist die Gefahr des Konsums durch Streckung verunreinigter Substanzen gebannt. Dennoch bleibt das psychische Verlangen nach Heroin oft bestehen und kann nur überwunden werden, wenn der Konsument die zugrunde liegenden sozialen Probleme überwinden und sein Leben neu ordnen kann.

Die Problematik des Entzugs

Der relative (dosissenkende) oder vollständige Entzug führt auch bei anderen Opioiden wie Buprenorphin, Dihydocodein oder Morphium zu ausgeprägten Entzugssymptomen. Das entsprechende Symptombild ist nach der internationalen statistischen Klassifikation von Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme  ICD-10 als „F11.3 Entzugssyndrom durch Opioide“ klassifiziert. Ein kalter Entzug, der nicht unter ärztlicher Aufsicht geschieht, ist per se nicht lebensbedrohlich. Dennoch ist er nicht ungefährlich, da es je nach Entziehungstechnik (z.B. Sedierung mit narkotisierenden Mitteln wie Propofol) zu gravierenden Komplikationen kommen kann. Menschen, die psychotisch vorbelastet sind oder unter schwächenden Erkrankungen wie einer Endokarditis leiden, sollten den Entzug dringend von Ärzten beaufsichtigen lassen, da psychische wie physische Folgestörungen auftreten können, welche eine sofortige Behandlung erfordern. Trotz gelungenen Entzuges können ein halbes Jahr lang nach Absetzen des Suchtstoffes Angstzustände, Schlafprobleme, Stimmungslosigkeit oder subtiles Verlangen nach der Droge auftreten. Diese Spätfolgen sind jedoch nicht substanzspezifisch, sondern können auch nach dem Entzug von anderen psychotropen Mitteln beobachtet und als generelle Problematik, die mit dem Eingewöhnen eines drogenfreien Lebens einhergeht, betrachtet werden.


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