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Abhängigkeitssyndrom

Sucht - Beratung
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Seit einigen Jahren sprechen die medizinisch und sozialpädagogisch Gebildeten von "Abhängigkeitssyndrom", wo früher von Sucht die Rede war. Gemeint ist damit immer noch eine Abhängigkeit von Substanzen. Die Sucht nach Erlebnissen, wie Spielsucht, Sexsucht, Internetsucht und so weiter, wird in der Diskussion des Abhängigkeitssyndroms aus methodischen Gründen ausgeklammert. Im Jahre 1963 sprach die Weltgesundheitsorganisation nicht mehr von "Sucht", sondern von "Missbrauch" und "Abhängigkeit" bis man sich dann Ende der 1960er Jahre auf die Sprachregelung "Gebrauch" einigte. Um einer gesellschaftlichen Diskriminierung, die das Stigma "Sucht" hervorrufen kann, vorzubeugen und Betroffenen und ihren Angehörigen zu einem offeneren, lösungsorientierten Umgang mit dem Problem zu erleichtern, vermeidet man negativ klingende Begriffe wie "Missbrauch", "Sucht" oder "Rauschgift". Stattdessen sprechen Ärzte Sozialarbeiter und Wissenschaftler wertneutral von "Abhängigkeitssyndrom" und vom "Gebrauch" von "Substanzen".

Stoffgebundene Sucht

Jeder Mensch hatte schon wiederholt heftiges Verlangen nach dieser oder jener Substanz, und seien es auch bloß Kaffee oder Schokolade, von denen er oder sie sich Aufmunterung und Trost versprochen hat. Dies ist eine alltägliche und unproblematische Erfahrung. Zum Prozess der Zivilisation zählt eben auch die Entdeckung von Substanzen die negative Gefühle vertreiben können und das innere Erleben sowie die Sinneswahrnehmung verändern. Diese Stoffe werden psychotrope Substanzen genannt. Dass der Konsum dieser Stoffe außer Kontrolle geraten und zu Problemen führen kann, ist seit Menschengedenken bekannt. Daher geht er häufig mit schlechtem Gewissen und Schönfärberei einher. So wird das Wort "feiern" oft synonym für "gemeinschafltiches sich-Betrinken" verwendet. Eine menschliche Gesellschaft, in der es keinen Konsum psychotroper Substanzen gäbe, ist kaum vorstellbar. In gewisser Weise wird dieser Konsum sogar von einem ernstzunehmenden Erwachsenen, der dazugehören will, erwartet.  Die Erfahrung zeigt, dass manche Individuen besser mit der Allgegenwart psychotroper Stoffe zurecht kommen als andere. Manche Individuen entwickeln ein Abhängigkeitssyndrom.

Abhängigkeitssyndrom als Krankheit

Ab wann trägt das Verlangen nach und das Konsumieren von Substanzen krankhafte Züge? Das sogenannte Abhängigkeitssyndrom liegt der ICD-10  ("Internationalen statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, Version 2011" ) zufolge vor, wenn jemand drei der sechs folgenden Fragen  mit "ja" beantwortet kann.

  1. Hat man während der letzten zwölf Monate wiederholt heftiges, unwiderstehliches Verlangen gespürt, eine Substanz zu konsumieren?
  2. War es schwierig, den Konsum dieser Substanz zu kontrollieren, das heißt hat man des öfteren mehr davon genommen als vorher gedacht, länger "gefeiert" als man ursprünglich wollte, früher damit angefangen als man sich es vorgenommen hat?
  3. Hat der oder die Betreffende körperlich spürbare Entzussymptome entwickelt?
  4. Musste die Dosis erhöht werden, um die Wirkung zu erreichen, die man sich von der Substanz erhofft?
  5. Kann man während der letzten zwölf Monate von einer Vernachlässigung gewohnter Verpflichtungen oder Interessen sprechen?
  6. Wird die Substanz weiter konsumiert, obwohl sie bereits Schädigungen verursacht hat und obwohl dies dem oder der Betreffenden durchaus bewusst ist?

Drei der sechs Fragen müssen mit Ja beantwortet werden, um von einem Abhängigkeitssyndrom sprechen zu können. Wer beispielsweise ab und zu starkes Verlangen nach einer Substanz hat, sowie darüber hinaus über körperliche Entzugserscheinungen bei Ausbleiben der Stoffzufuhr klagt, leidet dieser Definition zufolge noch nicht an einem Abhängigkeitssyndrom.

Substanzen

 Wahrscheinlich denken die meisten Menschen neben Alkohol und Nikotin zuerst an Heroin, wenn die Rede von "Sucht" , "Abhängigkeit" oder "Rauschgift" ist. Heroin wurde in der westlichen Welt bis ins 20. Jahrhundert hinein als Medikament verschrieben, und zwar als Schmerz- und Beruhigungsmittel. Heute gilt es als der Stoff mit dem höchsten Abhängigkeitspotenzial.  Auch Kokain machte den Weg vom gebräuchlichen Arzneimittel zur verbotenen Droge. Von der Wirkung her kann man es zu den Stimulanzien zählen, wie auch den Kaffee, der massenhaft im 17. Jahrhundert nach Europa kam und dessen anregende Wirkung, das gesellschaftliche Leben Europas beeinflusste. Damals entstanden die ersten Kaffeehäuser. Prediger, sowie Zeitungsautoren warnten vor dem Genuss und des süchtig machenden Stoffes. Von heute aus betrachtet muss man natürlich sagen, dass Kaffee zwar eine weit verbreitete, aber doch relativ harmlose psychotrope Substanz ist. Der Fokus der Aufmerksamkeit sollte ohnehin nicht auf der Verbreitung und der Beschaffenheit eines bestimmten Stoffes liegen, sondern auf den Umgang des Menschen damit.

Ursachen des Abhängigkeitssyndroms                                

Wie aber entsteht überhaupt die Neigung zur Sucht, wie kommt es, dass manche Menschen ein "Abhängigkeitssyndrom" entwickeln und andere nicht? Während man früher oft davon ausging, dass es die Schuld und die Disziplinlosigkeit des Einzelnen ist, die zur "Sucht" führt, verfolgen die meisten Wissenschaftler heute einen so genannten multikausalen Ansatz. Das heißt es gibt nie einen einzigen Grund, warum ein Mensch "süchtig" wird – immer ist es eine Kombination aus verschiedenen Faktoren. Dabei spielt die erbliche Vorbelastung ebenso eine Rolle,  wie die psycho-soziale Entwicklung des Einzelnen. Letztendlich ist es für die Betroffenen vielleicht auch nicht allzu wichtig, die genauen Ursachen ihrer Sucht zu kennen. Wichtig ist nur  die Frage, ob und wie man zu einem eigenverantwortlichen Verhalten finden kann.


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